Und schon bricht der letzte Tag an, ist das zu fassen? Ich will in das Museum of Anthropology, das wichtigste Museum über die First Nations, doch das ist über 10km entfernt und ich werde den Teufel tun, an meinem letzten Tag mich doch noch in die Öffis zu setzen. Das Wetter hält ganz gut, ich entscheide mich also dafür, mir den aktiven Regenwald Vancouvers anzuschauen. Ursprünglich bestand die ganze Küste aus Regenwald, doch natürlich ist der nach und nach abgeholzt worden, doch hier gibt es noch ganz schön viel Grün, was ich natürlich nicht verpassen will. Ich mache mich also auf den Weg in den Stanley Park.

Jay und Charlie schreiben mir auf der Hälfte des Weges, dass sie mich treffen wollen. An den Totempfählen sammel ich sie ein und wir schlagen uns ins Unterholz. Passend dazu fängt es an zu nieseln, wir unterhalten uns über die verschiedenen Bräuche unserer Kulturen (das deutsche Lüften hat es ihnen ganz schön angetan), bis wir vom irre lauten Hämmern des Sprechts unterbrochen werden, der sich an einem Baum in unserer Nähe zu schaffen macht.

Die moosbewachsenen Bäume zeugen von der hervorragenden Luftqualität und wir genießen den ruhigen Weg, auf dem wir quasi alleine sind. Am Beaver Lake, wo Vogelbeobachter regelmäßig seltene Tiere entdecken, erwischen wir die nicht ganz so seltenen, aber wunderschönen, Brautenten, ein wenig dahinter lassen sich auch die Eichhörnchen wieder blicken.

Wir spazieren die Robson Street wieder Richtung Hostel als es langsam dunkel wird. Jay muss seinen Flug erwischen und verabschiedet sich, Charlie und ich machen noch ein paar meiner letzten Mitbringsel-Besorgungen. Ich hole mir noch kurz was zu essen und gehe nach einer ausgiebigen Pack-Session (wie soll ich denn die 8 Kilo Reese’s nach Hause transportieren, die sich meine Schwester gewünscht hat???) und einer Dusche früh ins Bett. Hier merke ich das erste Mal, wie sehr mich diese lange Woche geschlaucht hat. Aber meine Güte, was für eine Woche das auch war!
Nach meinem kurzen Frühstück am nächsten Morgen leistet mir Charlie noch emotionale Unterstützung beim Uber besteigen und ab geht’s zum Flughafen. Vancouver, es war mir eine Ehre!

Der Flug verläuft abgesehen von einer 20-minütigen Verspätung einwandfrei, an Schlaf ist leider nicht zu denken. Die Koffer sind fix eingesammelt, doch dann dauert der Weg bis zur Bahn länger als alles andere – wer auch immer auf die Idee kam, einen Weihnachtsmarkt inmitten des Münchner Flughafens aufzubauen, gehört meiner Meinung nach gefedert und geteert. Nach etwas über 20h Reisezeit setzt dann (kaum überraschend) erst in der Deutschen Bahn meine schlechte Laune ein – die ist jedoch sofort wieder verflogen, als ich mit einem Blumenstrauß und einer festen Umarmung vom Bahnhof abgeholt werde. Als ich dann auch noch zu einer mit Luftballons geschmückten Wohnungstür nach Hause komme und endlich den Kater wieder in die Arme schließen kann, ist mein Glück perfekt!
Jetzt heißt es ankommen, auspacken, erzählen und entspannen – was für eine Zeit! Danke an alle, die mir diese fantastischen Wochen ermöglicht haben und mich bei allen meinen Erfahrungen unterstützt haben. Mein Glück ist kaum in Worte zu fassen.
Damit sage ich auf Wiedersehen zum Blog – fürs Erste! Bis ganz bald beim nächsten Abenteuer!