Nach der gestrigen Eskalation verpasse ich natürlich das Frühstück. Ich schleppe mich also zum frühen Mittagessen zu einem nahegelegenen Subway und spaziere dann gestärkt los Richtung English Bay Beach, wo das Vancouver Biennale Open Air Museum beginnt – eine Sammlung von Kunstwerken, die die Seawall entlang aufgestellt wurden. Der erste Stopp heißt A-Maze-Ing Laughter, und trotz des Regengusses, der sich über mir entlädt, kann ich nicht anders, als mit den Skulpturen gemeinsam zu lachen.


Ich spaziere weiter den Strand entlang und bin recht froh darüber, dass es nur einen einzigen Weg gibt, denn durch meine Brille sehe ich dank des Regens mittlerweile nichts mehr. Erst als ich schon fast bei der Burrard Bridge ankomme, die mich über die Mündung des False Creeks bringt, klärt sich der Himmel langsam auf.

Es geht am Marine Museum entlang zum Elsje Point und ich habe Glück, dass ich aufgrund meines Katers erst so spät losgelaufen bin – ich erwische nämlich perfekt den Sonnenuntergang am Elsje Point um kurz vor Vier, der mir ein paar spektakuläre Aussichten verschafft. Die mystische Stimmung wird unterstrichen von den mehreren hundert Krähen, die sich am Strand aufhalten. Sie sammeln die kleinen Miesmuscheln, die in den Steinen am Ufer leben, lassen sie aus ein paar Metern Höhe fallen, um sie zu öffnen, und fressen sie dann. Unter meinen Füßen knirscht es, als ich auf die vielen kleinen Schalen trete.




Ich spaziere weiter Richtung Kitsilano Beach und bin aufs Neue überrascht, wie viele Hunde es in Vancouver gibt – dann wiederum finde ich, dass es hier für eine Großstadt ungewöhnlich viel Natur hat und man immer schnell fußläufig in irgendeinem Park oder an einem Strand ist. Ein Paradies für Vierbeiner also! Der Sonnenuntergang wirft kunterbunte Farben an den Himmel und ich weiß nun den Regenguss von vorher zu schätzen, der mir den Himmel für dieses Schauspiel freigeräumt hat.



Ich wende mich wieder in Richtung Burrard Bridge und spaziere durch das Wohnviertel Kitsilano. Meine Güte, was hier für Häuser stehen. Der Blick auf das Meer und den Sunset Beach allein muss schon Unmengen wert sein und hier fällt mir wieder ein, dass Vancouver die teuerste Wohngegend in ganz Kanada ist. Hier in Kitsilano, wo kein Auto unter dem Niveau eines BMWs ist, sieht man das so richtig. Jedes der riesigen Häuser, deren Stil von modernem Beton-Bau zu klassischer bunter Holzvertäfelung reicht und die umgeben sind von dicht bepflanzten Vorgärten, die den Blick in die großen Fensterfronten verhindern, ist deutlich als ‚videoüberwacht‘ gekennzeichnet. Ich traue mich kaum Bilder zu machen – nicht dass ich hier noch als potenzieller Einbrecher abgestempelt werde. Auf meinem Rückweg über die Burrard Bridge präsentiert sich mir der wunderschöne Ausblick über den False Creek, Granville Island und Downtown, ich fühle mich hier schon richtig heimelig!



