Das Hostel ist verseucht mit Deutschsprachigen, beim Frühstück gesellen sich Patrizia (Regensburg) und Christina (Basel) zu uns. Nach dem Regenguss strahlt der Himmel heute nur so, ich mache mich früh auf dem Weg Richtung Stanley Park, um die Sonne richtig genießen zu können. Auf dem Weg die Robson Street runter (Haupteinkaufsstraße der Stadt) halte ich noch in ein paar Läden an, verweile aber nicht allzu lange.




Ich starte dort, wo ich gestern aufgehört habe, am Coal Harbour. Fynn updated mich am Telefon und unterhält mich auf einem ersten Abschnitt – ich muss abbrechen, als ich eine Robbe entdecke, die sich im Wasser tummelt. Ich bin nicht schnell genug an der Kamera (dabei hängt sie um meinen Hals?), aber ich schwöre, sie war da!

Weiter geht’s zu den Totem-Pfählen, die an die First Nations erinnern, die hier bereits vor 3.000 Jahren gesiedelt haben. Totem-Pfähle sind einzigartig in der nordwestlichen Küste von BC und Alaska und die hier aufgestellten Pfähle sind alle Ende des 20. Jahrhunderts von Mitgliedern der lokalen First Nations Stämme hergestellt worden.


Ich wandere die ganze Seawall entlang um den Stanley Park. Der Weg ist streng getrennt für Fußgänger und Radfahrer, mehr als einmal wird ein unachtsamer Läufer wütend aus dem Weg geklingelt. Die Strecke ist rund 10km lang, ich genieße die frische Luft und die Ausblicke vom Prospect Point Lookout, dem Siwash Rock und den verschiedenen kleinen Stränden.




Zurück Richtung statt mache ich einen kurzen Stopp bei den äußerst sauberen öffentlichen Toiletten (die hier überall in der Stadt verteilt sind und die ich sehr vermissen werde) und biege ab Richtung Lost Lagoon. Ein wahres Paradies für Kleintiere und Vögel, ich fliehe lieber bevor mich eins der vielen Eichhörnchen (eher Eichhörner, kanadisch-groß) anspringt.



Ein paar Straßen weiter beginnt das East End, hier fühlt sich die große queere Community der Stadt heimelig. Die Straßen sind gesäumt von kleinen Ladenfronten, süßen Cafés und familienbetriebenen Restaurants. Ich versuche mich erst an einem New York Cheesecake mit London Fog Tea (definitiv mein neues Lieblingsgetränk, danke dafür Kanada) und nach einem kleinen Spaziergang durch das Viertel trägt es mich in einen Pasta-Spot, wo ich erneut nicht nur sehr freundlich bedient werde, sondern auch noch eine ganz fantastische (riesige) Portion selbstgemachte Pasta von der Nonna verspeise, bevor ich mich der wunderschönen Skyline zuwende, die langsam von der Dunkelheit verschluckt wird.

Gut gesättigt mache ich mich auf den Weg Richtung Weihnachtsmarkt. Hier treffe ich Patrizia und Christina, kurz darauf stoßen Jay und Jos zu uns, die noch Charlie (Australien) im Schlepptau haben. Das Foto, das unter dem ‚Vancouver Christmas Market‘-Schild entsteht, erinnert mich mal wieder dran, es einfach selbst zu machen, wenn man es gut haben will – aber hey, als Erinnerung reicht’s ja. Mit unserer bunt gemischten Gruppe steuern wir auf dem Weihnachtsmarkt natürlich zuerst den Glühweinstand an und zwischen den deutsch beschrifteten Hütten fühle ich mich fast ein bisschen wie zu Hause.



Ich habe einen riesigen Spaß mit dem sehr neugierigen (und sehr leichtgläubigen) Jay, der sich über die Hütte ‚Squid Feast‘ wundert, bis ich ihm erkläre, dass der Tintenfisch ein klassisches deutsches Weihnachtsessen ist. So lachen wir uns über den Markt, unterhalten uns mit einigen deutschen Standbetreibern, lachen über die typisch weihnachtlichen horrenden Preise und bewundern einen Elf mit Saxophon sowie den Jonas Brother in dem Glühwein-Stand, der uns unter Fake-Schnee mit seiner Live-Performance betört. Alles in allem ein voller Erfolg – zwei Glühwein später entscheiden wir uns, noch eine Bar in der Nähe des Hostels aufzusuchen. Wir werden leider nicht fündig, da wir eine recht große Gruppe sind, und als ich auf meinem Handy sehe, dass ich heute schon 25 Kilometer gelaufen bin, machen meine Füße einfach nicht mehr mit.

Es geht also ins Hostel und die Flasche Sekt, die ich zwei Wochen zuvor gekauft habe (die Prüfungsergebnisse müssen doch irgendwann mal kommen?!) muss bei ein paar hitzigen Runden Uno dran glauben. Ein sehr langer, sehr erfolgreicher, sehr schöner Tag (gut erkennbar an der Länge dieses Eintrags) geht mit viel Gelächter zu Ende!