Ava und ich klappern in Salmon Arm zwei Thrift Stores ab und ich bin erneut überrascht über die Schätze, die sich hier finden lassen, und noch mehr über die Preise. Meine Ohrringsammlung füllt sich gewaltig, und als ich im zweiten Laden eine Echtlederjacke in GENAU meinem Stil und GENAU meiner Größe finde, falle ich aus allen Wolken, als ich nur 20 CAD dafür zahle (12,50 €, hallo??). Na, das macht ja dann die Übergepäckpauschale wieder wett, die vermutlich am Flughafen auf mich warten wird.
Sebastian und ich fahren am Abend los nach Clearwater und checken in ein wirklich wunderschönes Hotelzimmer ein, da die Balkontür direkt raus in den Schnee an den Rand eines Sees führt. Wir fallen aber direkt in die Betten und düsen am nächsten Morgen los in den Wells Gray Provincial Park, in dem sich unzählige Wasserfälle befinden. Wir stoppen nur kurz bei einem kleinen Bäcker und ab geht’s auf die (natürlich) nicht geräumten Straßen – wir wollen drei der Wasserfälle abklappern!



Der Weg ist wirklich wunderschön und wir sind ziemlich entspannt – zumindest solange sich vor uns auf der Straße noch Reifenspuren befinden. Diese lassen aber bald nach und wir müssen entscheiden, ob wir uns mit dem Auto in den Schnee wagen. Sebastian macht sich Sorgen über den anhaltenden Schneefall und befürchtet, da er mit dem Auto noch keine solche Wetterlage hatte, dass wir einfach stecken bleiben und nicht mehr zurückkommen. Wir zählen also die Kilometer bis zum letzten Haus und checken immer mal wieder das Netz, um abgesichert zu sein – schließlich wagen wir es in den Schnee und sind beide extrem überrascht, wie gut es funktioniert! Als wären kanadische Autos für genau so Wetter gemacht …
Ihr könnt jetzt alle mal ‚Helmcken Falls‘ googlen und euch von seiner Größe und Schönheit überzeugen, denn als wir da ankommen, sieht unsere Aussicht auf den viertgrößten Wasserfall Kanadas so aus:

Tja, so kann’s gehen. Wenigstens war ich da! Und hab’s auf Google gesehen! Weiter geht es zum niedrigsten der drei Fälle, die wir abklappern wollen, Moul Falls, der mit seinen 35 Metern immer noch ziemlich beeindruckend ist. Hier haben wir auch eine kleine Wanderung und ich rutsche mehr, als dass ich den steilen und vereisten Abhang zum Fuß des Falles hinunterlaufe. Unten treffe ich ein sehr nettes junges Pärchen, das mir noch einige Tipps für die Umgebung gibt, während Sebastian hinter dem Wasserfall verschwindet, um sich von der anderen Seite anzuschauen. Wenn ihr beim zweiten Bild ranzoomt, findet ihr ihn vielleicht! Und nein, er wurde nicht von diesem riesigen Eiszapfen getroffen. Zum Glück – er hatte schließlich die Autoschlüssel.


Auf dem Rückweg zum Auto kommen uns zwei Wanderer mit großen Hunden entgegen und warnen uns, dass sie kurz hinter dem Parkplatz aus dem Wald angeknurrt wurden. Kein Wunder, schließlich sind wir in Bear Country! Aufgeregt laufen wir weiter, Sebastian hält sein Bärenspray bereit und ich erzähle ihm passend dazu die Storyline von Bärenbrüder, den er noch nicht gesehen hat. Wir bekommen aber (leider) kein Stückchen Fell zu Gesicht, und Knurren hören wir es auch nicht. Ein bisschen enttäuscht (ich) und ein bisschen erleichtert (Sebastian) düsen wir also weiter zum dritten und mittleren Wasserfall, Spahats Falls mit 73 m Fallhöhe.




Die Klippen, von Lava, Gletschern und Wasser geformt, geben uns eine beeindruckende Aussicht auf das Umland. Die Aussichtsplattform ist natürlich menschenleer und ich bin gottfroh darüber, dass sie komplett von wadenhohem Schnee bedeckt ist und ich nicht bis ganz unten schauen muss. Um den Wasserfall herum bilden sich bereits Eisskulpturen aus dem Wasser, doch noch ist der untere Teil nicht zugefroren. Wir machen uns auf den Rückweg zum Auto und düsen durch das magische Winterland zurück zum Ausgang des Parks.

Auf dem Rückweg gibt es natürlich nochmal ein paar Timbits und Sebastian muss seine Felgen von dem vielen Schnee befreien, der sich dort festgeklebt hat. Wir wollen auf dem Rückweg noch einen Stopp in Kamloops machen, doch leider ist die Sonne schon längst untergegangen, als wir dort ankommen. Wir düsen also weiter nach Hause, stellen unsere Wanderschuhe an den Holzofen und wollen den Tag entspannt ausklingen – leider hat sich bei unserer Abwesenheit Sebastians Zimmertür auf magische Weise verschlossen (??), daher versuchen wir eine Weile zu lernen, wie man Türen aufbricht, doch ohne Erfolg.
Wir düsen erstmal los zum Abendessen (Asia All-You-Can-Eat, was will man mehr nach so einem Wochenende) und während wir dort sind, findet Jackie den Ersatzschlüssel. Der Abend ist gerettet, wir verdauen bei einigen Runden Wizard und fallen zufrieden in die Betten!