Die Arbeit im Garten nimmt einfach kein Ende – das wundert mich allerdings nicht bei einem Grundstück, das über vier Hektar groß ist. Zwar ist viel davon auch Wald und nur ein ganz kleiner Teil tatsächlich bewusst bepflanzt, doch Jackie ist leidenschaftliche Gärtnerin, also drängen sich in diesem Örtchen jede Menge nun abgestorbene Blumen und Wintergemüse. Ich erkundige das Grundstück und freue mich riesig über den Sonnenschein und noch mehr, als ich Besuch von einem Monster an Kater bekomme – der kniehohe Tiger begrüßt mich ebenso freudig. Am Dienstag gesellt sich die neue Workawayerin Ava zu uns und bringt mir ein kleines Stück Heimatswehmut aus ihrer Heimat Düsseldorf mit. Jackie bringt uns sogar noch etwas Begleitung in Form von Lily und Ruby – die Hunde ihrer Schwester, die eine Woche bei uns verbringen. Besonders die taube (und mehr als wohlgenährte) Lily hat es uns angetan und verbringt ihre Zeit am liebsten bei uns, wo es Action gibt.



Wir füllen unsere Abende mit Uno-Spielen und Kochen, graben gemeinsam den Garten um und trotzen dem Schneeregen, der den nun doch endlich kommenden Winter ankündigt. Passend dazu planen wir einen Ausflug übers Wochenende und entscheiden uns für das etwa 3 1/2 h entfernte Golden, von wo aus wir zu diversen Wanderungen aufbrechen können. Das Motel ist schnell gebucht und den Freitagmittag nutzen wir noch, um kurz Wäsche in dem in der Stadt liegenden Laundromat zu machen. Während der halben Stunde, die die riesigen Maschinen brauchen, um unsere durch die Gartenarbeit vor Dreck strotzenden Klamotten durchzuwirbeln, hetzen wir durch den Supermarkt und decken uns für die kommende Woche ein. Kurz darauf sind auch schon unsere Taschen mit Mützen, Handschuhen und Fleecejacken gepackt (es soll -15 Grad geben) und wir befinden uns auf der Straße.
Auf dem Weg haken wir einen wichtigen Punkt auf meiner Bucketlist ab und besuchen Tim Hortons, wo wir die berühmten Timbits (Doughnut-Holes mit verschiedenen Glasuren, Streuseln und Geschmacksrichtungen) einkaufen und uns mit Getränken eindecken. Was gibt’s denn wohl Kanadischeres als eine Fastfoodkette, die auf Doughnuts spezialisiert ist und von einem Eishockeyspieler gegründet wurde?




Die Stunde Zeitverschiebung, die uns mitten in BC auf dem Weg nach Golden überrascht, hindert uns zum Glück nur knapp daran, ins Motel einzuchecken, dessen Rezeption nicht die ganze Nacht besetzt ist. In unserem Dreibettzimmer im Motel (in dem es muckelige 50 Grad hat) gehen wir direkt ins Bett. Aus dem Fieberschlaf erwacht, decken wir uns noch kurz mit dem leichten Frühstück des Motels ein (Kaffee und typisch amerikanische Luft-Zucker-Cornflakes), bevor uns der 8-Uhr-Himmel einen kleinen Vorgeschmack auf das bietet, was uns bei unserer Wanderung erwarten wird. Zu dieser Kulisse könnte ich wirklich öfters aufwachen!