Freitag! Wir wollten am Sonntag einen Ausflug nach Revelstoke machen, in der Hoffnung, dass dort Schnee liegt, doch aufgrund des Wetterberichts fahren wir einfach heute schon. Für die heutige Wanderung bin ich alle Learnings der Letzten nochmal durchgegangen: Kamera-Akkus, Mütze, Haargummi, Äpfel. In Revelstoke schauen wir uns zuerst ein bisschen die Stadt an, ich bin begeistert von den bunten Häusern, die sich zwischen die typisch flachen Bungalows mischen.

Richtig mitmachen will das Wetter aber trotzdem nicht, wir laufen in leichtem Nieselregen durch das kleine Örtchen (Enttäuschung 1). Wir lassen uns im Visitor-Centre vor Bären warnen („they don’t come into town anymore, but it’s probably still too warm for hybernation“) und hören, dass die Wanderstrecken am oberen Berg geschlossen sind, da die Zugangsstraße bereits für den Winter gesperrt ist (Enttäuschung 2). Hier gibt es aber ein riesiges Ski-Gebiet mit schönen Wanderstrecken und wir wollen mit der Gondel hochfahren – doch auch die ist noch nicht fahrtüchtig (Enttäuschung 3). Also völlig umsonst hoch gefahren. Wenigstens der Ausblick ist schön!

Wir schaffen es trotzdem, den Tag noch zu drehen. Auf dem Weg zurück befinden sich auf einer Parallelstraße zwei Wasserfälle, die wir besichtigen wollen. Wir fahren also den wunderschönen BC Highway 23 am Wasser entlang, biegen auf einer der vielen unbefestigten Backroads ab und halten bei der recreational site (kleine Campgründe mit einzelnen Feuerstellen und Sitzgelegenheiten) und laufen bis zu den Begbie Falls. Man hört sie schon von Weitem – der Weg führt durch einen magischen Mooswald mit laut knarzenden Bäumen. Was für ein Anblick!

Wir wandern ein Stück den Flusslauf entlang und erreichen eine flache Flussebene – hier fühle ich mich, als wäre ich mitten im Film Bärenbrüder. Sebastian ist enttäuscht über den Nebel, der uns die umliegenden Berge versteckt, doch ich liebe die diesige, märchenhafte Nebellandschaft. Es ist einfach traumhaft.

Als wäre dieser Anblick noch nicht genug, geht es weiter zum nächsten Wasserfall in Blanket Creek. Hier ist die Zufahrtsstraße gesperrt (?), doch davon lassen wir uns nicht beeindrucken. Wir gehen ganz selbstbewusst um die deutlich abgesperrte Schranke herum und spazieren die 40 Minuten einfach zu Fuß. Unten angekommen sind wir natürlich die Einzigen – wer, wenn nicht die Deutschen, missachtet die Regeln, wenn das zu so einem Naturwunder führen kann?!

Unsere Enttäuschungen des Morgens sind am Nachmittag mehr als wettgemacht worden. Die Natur British Kolumbiens hat hier richtig abgeliefert und wir können uns zufrieden und mit vollen SD-Karten auf den Heimweg machen. Ich sitze den ganzen Weg über staunend auf dem Beifahrersitz und Sebastian kann es kaum glauben, dass ich mich über ’so Kleinigkeiten‘ dermaßen freuen kann – ich wiederum kann es kaum glauben, dass er nach ein paar Monaten Kanada bereits so abgehärtet gegenüber der Schönheit einer einfachen Straße ist!