So schnell kann’s gehen – Staatsexamen rum, mündliche Prüfung bestanden und schon geht’s los nach Kanada! Gewählt wurde British Columbia, wo das Wetter noch am moderatsten zu sein scheint (sind menschliche Körper überhaupt für minus 40 Grad gemacht?!) und gereist wird per Workaway – 25h Arbeit in der Woche für Kost und Logie. Günstiger geht’s kaum! Die Suche nach einem passenden Host ist nicht ganz leicht, da erstens sehr spontan und zweitens über den Winter, doch schließlich sagt mir Jackie zu und (Jackpot), es werden noch zwei andere Workawayer da sein. Minuspunkt: Beide sind Deutsch. Macht nix! Überzeugen tut schließlich die Mischung aus Dorfanschluss und Naturnähe.

Fynn bringt mich Freitag um 5 zum Bahnhof, nachdem ich Donnerstag Abend nach meiner Prüfung noch in Windeseile während dem Feiern und nach der Bewunderung des besten Abschlussgeschenkes aller Zeiten (danke an Die Eltern für meine ganz wunderbare Leica!) gepackt habe. Ab nach Nürnberg Hbf, München Hbf und schließlich München Flughafen. Die liebevolle Warnung meines Onkels (Du fährst mit dem Zug?! Bist du wahnsinnig?!) trifft glücklicherweise nicht zu und ich schaffe es, meinen 25 Kilo Koffer rechtzeitig zur Gepäckaufgabe zu wuchten. Noch kurz Arbeiten im Flughafen und auf ins Flugzeug – ich sitze neben zwei super netten jungen Kanadiern, die mir erst mal von Vancouver Island vorschwärmen (bereue ich da etwa kurz meine Wahl aufs Inland?).

Die 10h Flug sind dank ausgiebiger Filmbibliothek und gedownloadeter Miniserie schnell vorbei (mein Sitznachbar unterbricht sogar seinen Film um ‚Behind Her Eyes‘ zu kommentieren, die von meinem Bildschirm ausgestrahlt wird: That’s a great fucking show!) und schon geht es dank vorgefahrenem Shuttle ins Flughafenhotel. Ich plane, bis 9 Uhr wach zu bleiben, um den Jetlag zu vermeiden, schaffe es aber grade so bis 7. Macht nix! Am nächsten Morgen um 5 geht das Shuttle wieder zum Flughafen, von wo aus ich nach ausgiebigem Proviant-Geshoppe den Bus nach Salmon Arm nehme. Die Landschaft auf dem Weg ist atemberaubend – sämtliche Zweifel über die Inlands-Wahl sind weggewischt. Ich kann meinen Mund kaum zuklappen und denke erst NACHDEM ich meinen ersten Weißkopf-Seeadler gesehen habe daran, meine Kamera auszupacken. Die Bilder aus den verdunkelten Busscheiben sind wie zu erwarten.

Sebastian holt mich nach 7h Busfahrt in Salmon Arm ab und zeigt mir erstmal kurz die Innenstadt – super süß, super kanadisch, super klein. Hat aber alles was man braucht! Ich fühle mich direkt wohl und wir kommen bei Jackie an – auf den ersten Blick wirkt das in riesigen Kiefern eingebettete Holzhaus etwas spooky, besonders im Dunkeln. Drinnen ist es zwar oldschool, aber sehr gemütlich! Mein Zimmer im ersten Stock ist provisorisch eingerichtet, nach der ersten Woche ziehe ich nach unten.

Sebastian und ich gehen am ersten Abend gemeinsam essen und er berichtet über die Hausbewohner, die Arbeit, die Gegend. Er ist auch aus BaWü, also mir direkt symbadisch. Am Abend gehts früh ins Bett, der Jetlag muss weiterhin vermieden werden!

Kanada, ich bin angekommen!